Einmal voll, günstig!


Wer schon mal eine längere Reise an Australiens Küsten mit einem Camper oder Auto plante, machte sich bestimmt auch seine Gedanken darüber, wo die Karre jeweils mit Sprit versorgt werden soll. Nichts ist unangenehmer, als mitten im Outback mit leerem Tank da zu stehen und kaum etwas ärgerlicher, als in grösster Not ausgerechnet bei der teuersten Tanke der Region nachzuladen, nur um einige 100 Meter später – vollgetankt – an der günstigsten vorbei zu rauschen …
Glücklicherweise stiess ich, während unserer Vorbereitungen neben WikiCamps auch auf die App FuelMap. So übernachten wir hier nicht nur in den lauschigsten Pärken, wir füttern unseren Camper unterwegs auch gleich mit dem günstigsten Sprit.

Die abgefahrenste Tanke der Westküste
Auf einer unserer Etappen führte uns FuelMap in Geraldton zur wohl aussergewöhnlichsten Tanke Westaustraliens. Hier machte man sich noch nicht mal die Mühe, den immensen Diesel-Tank im Boden einzulassen. Die Station ist nicht bedient und bezahlt wird mit der Karte. Dafür war der Liter Diesel für AUS 1.22, also unschlagbar günstig, zu haben. Ein Geheimtipp, welchen die Locals wohl nur noch mit Besitzern der FuelMap-App teilen.

Green Head


Über Green Head gibt es eigentlich nicht viel zu schreiben, ausser dass es ein kleines Nest in Westaustaliuen ist, welches erfrischend bodenständig geblieben ist. Es gibt dort einen sympathisch geführten Caravanpark und zwei lauschige Strände. Einer davon ist der «Dynamite Beach». Weiter gibt es zwei schöne Cafes und einen General Store, in welchem es neben gutem Kaffee auch täglich die weltbesten, frischen «Gipfeli» Westaustraliens gibt. Wer hier also auf der Durchreise ist, sollte Green Beach Jurien Bay vorziehen.

Jurien Bay

Bestimmt war Jurien Bay vor zehn Jahren ein charmanter Küstenort mit einem kleinen Kaffee und einer schönen Strandpromenade. Mit vollen Tanks und einem PS starken Boot sind hier sicher auch ein paar beeindruckende Tauchplätze zu finden. Wer die Kosten nicht scheut, soll hier sogar mit Seelöwen schnorcheln können. Für uns war es der Ort, wo wir Christines Freiwasser-Tauchgänge 1 & 2 absolvierten und nichts weiter.
Der Caravan-Park schien während der Zeit unseres Aufenthalts dermassen gut belegt gewesen zu sein, dass es sich die Leitung offenbar leisten konnte, mir auf keine meiner Mail-Anfragen zu antworten. Der Park als solches hinterliess dann aber keinen überzeugenden Eindruck, so dass wir letztlich froh darüber waren nicht hier eingechekt zu haben. Jurien Bay selber ist heute eigentlich nur noch eine Ansammlung freistehender Bonzen-Hütten, mit einer auf Hochglanz getrimmten Promenade ohne jeglichen Esprit.

Freiwasser-Tauchgänge 1 & 2
Lange musste sie darauf warten, in Jurien Bay waren die Bedingungen dann endlich entsprechend, dass Christine hier ihre ersten beiden Freiwasser-Tauchgänge (erfolgreich) absolvieren konnte. Nachdem die Maske ausbeblasen, der Octopus wieder erlangt, ihr erschöpfter Taucher zum Strand geschoben und die Beinkrämpfe gelöst waren, blieb noch etwas Zeit und – etwas weniger Restluft – für einen kurzen Fun-Dive. Falls der Begriff Fun bei Zürichsee-Sichtverhältnissen an dieser Stelle überhaupt strapaziert werden darf …

Dynamite Beach – unscheinbares Riff mit Potential

Eines sei hier schon mal vorneweg Erklärt, Green Head ist nicht Jurien Bay und das überschaubare Riff am «Dynamite Beach» hat längst nicht den Glam von Ningaloo oder die Farbenpracht eines Busselton Jetty und das ist auch gut so!
Aber nun der Reihe nach. Wer diesen Blog seit Beginn verfolgt oder mich bei den Vorbereitungen auf unseren Trip entlang westaustraliens Küste begleitet hat, dem wird nicht entgangen sein, dass es weitaus einfachere Gegenden auf diesem Planeten gibt, um mit einem Tank auf dem Rücken und einer Bade-Ente abzutauchen. Und dass ist noch diplomatisch ausgedrückt. Etwas weniger formell fühle ich mich – bei Halbzeit unserer Reise – darin bestätigt, dass sie dem geneigten Taucherlein eher Steine in den Weg legen, als dieses mit offenen Armen zu empfangen. Wer seine Tauchgänge nicht minutiös plant, kriegt an der Westküste nichts geschenkt. Denn wer nicht gerade einen Lotto-Sechser abgeräumt hat oder sonst finanziell auf Rosen gebettet ist, ist sein erspartes Feriengeld bereits nach wenigen Tauchgängen los. Für einen Tauchgang blättert man hier gerne mal AUS 175 bis AUS 600 hin und kauft dabei trotzdem noch die Katze im Sack.
Da ich nicht bereit war, mich ausnehmen zu lassen, kauften wir gleich nach unserer Ankunft zwei Tanks und das nötige Blei und informierten uns schon von der Schweiz aus, wo wir besagte Tanks mit der nötigen Luft füllen können, um so eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren. Aber auch dass ist leichter gesagt als getan. So kann es durchaus sein, dass man an einem Beach taucht, um sich danach 60 km weiter mit Luft zu versorgen. Ab Geraldton ist dann aber möglicherweise dennoch aus die Maus. Denn sowohl bei Shark Bay als auch beim Ningaloo-Reef fragte ich (bis jetzt) vergebens nach «airfills» nach. Dort hiess es, du tauchst für mindestens AUS 250 mit der Basis oder du tauchst nicht. Offenbar konnten die ansässigen Tauchbasen einen Deal aushandeln, welcher Strand-Tauchgänge von Amtes wegen verbieten! Was nichts anderes heisst, du hast zwar die schönsten Riffe vor der Nase aber du darfst da nicht tauchen, weil dir die überrissenen Boots-Ausflüge reingedrückt werden!

 

Auf Riff-Erkundung am Dynamite Beach
Inzwischen sind wir auf Höhe Jurien Bay angelangt. Hier gibt es 30 km südlicher, in Cervantes, zwar noch Luft, interessante Strand-Tauchplätze sind jedoch Mangelware und noch nicht mal im «The Dive Spots of Western Australia» zu auszumachen. Da ich Christine aber versprochen hatte, dass wir ihren OWD in Australien beenden wollen, absolvierten wir ihre Freiwasser-Tauchgänge 1 und 2 am alten Jetty von Jurien Bay und so kam es, dass mir am Ende des Tages noch etwas Restluft im Tank verblieben war. Diese wollte ich, zwecks Erkundung des nahegelegenen «Dynamite Beach», einsetzen. Das Riff war zwar in besagtem Tauch-Guide nicht aufgeführt, war aber der Grund, weshalb wir letztlich in Green Head und nicht in Jurien Bay landeten. Ich entdeckte es einige Tage zuvor, als ich die Küste mittels Google-Earth nach möglichen Tauchplätzen absuchte.
Wie bereits erwähnt offenbarte sich bei meinem Erkundungs-Tauchgang keine Tauchplatz-Perle. Insbesondere, weil sich die Sicht oft in etwa zwischen Mehlsuppe und Blindflug bewegte. Die Winde der letzten Wochen sorgten unter Wasser für mächtig Sandsturm. Dennoch entdeckte ich einige schöne Seegraswiesen, abwechslungsreiche Überhänge und die eine oder andere Cave. An Stellen, wo sich der Nebel etwas lichtete waren auch einige Makrelen und andere Fischli auszumachen und unter dem einen oder anderen Felsblock versteckten sich auch einige Langusten.
Insgesamt war es ein spannender Tauchgang, welcher – bei besseren Verhältnissen – nach einer Wiederholung ruft. Die Tatsache, dass ich diesen Platz «entdeckt» hatte, machte diesen Tauchgang noch spezieller, deshalb taufte ich den Platz kurzerhand in «Roland’s Dynamite Bay» um. Der Tauchplatz liegt in einer kleinen, relativ windgeschützten Bucht und ist leicht vom Parkplatz aus erreichbar. Der Einstieg erfolgt über einen kurzen Marsch via Strand ins Wasser. Betaucht wird die rechte Seite der Bucht. Sobald es windstill ist, präsentiert das Riff bestimmt auch seine Schokoladenseite. Es ist bei guten Verhältnissen und etwas Restluft im Tank auf jeden Fall einen Tauchgang wert. Die Tauchtiefe liegt zwischen 1 bis 6 Meter und nach einem gemütlichen Tauchgang geniesst man – bei einem schmackhaften Camper-Frühstück – die herrliche Aussicht über die Bucht.

Regen oder nicht …


… ist die Frage. Diese stellte sich am letzten Tag unseres Aufenthaltes im «Back to Nature»-Caravanpark. Die Antwort ist, es hat auch dieses Mal nicht geregnet! Wie auf den folgenden Bildern zu sehen ist, bot uns das vorbeiziehende Gewitter dennoch ein beeindruckendes Spektakel.

Back to nature

Bereits auf unserem ersten Caravanpark erklärte uns ein älteres Paar mit grosser Verwunderung, dass es nicht optimal sei, dass wir unsere weiteren Plätze, respektive Caravan-Parks, während der anstehenden Schulferien nicht weit im voraus reserviert hätten. In Esperence wurde diese Aussage von einer Park-Pächterin bekräftigt, indem sie uns erklärte, dass sie früher einen Park in Shark Bay gepachtet hätte, welcher während besagter Schulferien jeweils bereits zwei Jahre im voraus komplett ausgebucht gewesen sei.


Inzwischen wurden wir wie prophezeit Opfer dieser unsäglichen Schulferien und hangeln bereits seit rund zwei Wochen von einem Platz zum anderen, wo wir zwar ursprünglich nicht hin wollten, jedoch noch einer der raren Standplätze an westaustraliens Küste zu ergattern war. Nach beinahe zwei wöchiger Odysee, Kindergeschrei und niemals enden wollenden Touristenströmen lagen unsere Nerven schliesslich blank. Wir brauchten dringend Erholung und machten uns auf die Suche nach einem ruhigen Platz. Diesen fanden wir – irgendwo im Nirgendwo, zwischen Perth und Jurien Bay – im «Back to Nature-Caravanpark».
Henry, so heisst der schrullige jedoch nicht minder smarte Manager dieses Platzes, gewährte uns hier einige Tage Asyl. Hier war der Name Programm und so konnten wir, fern ab vom Schuss, einfach mal unsere Seelen baumeln lassen. Henry ist Mitte Siebzig und macht stets einen etwas verpeilten Eindruck, dennoch hat er sich hier eine kleine Oase geschaffen. Stets zu einem Schwätzchen aufgelegt und selten um eine Anekdote verlegen, beschrieb er uns – mit seinem oft schwer verständlichen Genuschel – wie er zu diesem Platz kam und alles, während der vergangenen fünf Jahre, eigenhändig aufgebaut hätte. Der Platz ist geräumig und die sanitären Einrichtungen neu und erstaunlich gepflegt. Jeder Gast wird freundlich begrüsst und persönlich in den zugewiesenen Platz eingecheckt. Dieser Prozess kann dann schon mal einen halben Tag in Anspruch nehmen, den Henry ist um das persönliche Wohl jedes einzelnen Gastes bemüht. Und so fanden wir uns nach wenigen Tagen von lauter Familien mit Kindern «eingeschlossen», welche selber keinen Platz an der Küste reserviert hatten. Jedoch nicht ohne dass uns Henry vorher jeweils die Wahl liess, in eine kinderfreie Zone umzusiedeln. Dabei erklärte er uns verschmitzt, dass er seinen Platz eigentlich nicht auf Familien ausrichten würde, diese aber nichts anderes gefunden hätten …

Hier fühlen wir uns wohl und willkommen und hier bleiben wir, bis Australiens Schulglocken EEEENDLICH wieder läuten.

AQWA – Westaustraliens Unterwasserwelt auf ein paar Quadratmetern

Da es als Taucher nicht gerade einfach ist, an westaustraliens Küsten seinem Hobby zu fröhnen, legten wir auf unserer Durchreise einen Zwischenstopp ein und tauchten in Perth’s AQWA ab. Dort kriegten wir dann endlich Sandtieger- und Riffhaie, Fetzenfische, Schiffswracks, Tintenfische, Hart-, Weichkorallen, Schildkröten und was sonst noch so an dieser Küste kreucht und fleucht zu sehen. Interessant war auch der Berufstaucher, welcher die künstlichen Riffe reinigte.

Noch konnten wir dem Angebot widerstehen, in voller Tauchmontur in eines der Bassins einzusteigen. Ob das in einigen Wochen noch immer so sein wird …?

Auf Penguin Island sind die Möven los …


Eigentlich wollten wir Rockingham auf unserer Reise grossräumig umfahren, da uns bereits während der Reiseplanung schnell klar wurde, dass sie in Rockingham zwar die grosse Werbetrommel rühren, es da aber – ohne das nötige Kleingeld – kaum was zu sehen gibt. Versteht mich nicht falsch, in Australien gibt’s generell nichts für lau, preislich liegt man hier in etwa auf schweizer Niveau, oft auch etwas darüber aber AUS 225 pro Person, nur um mit einer Horde Touris ein paar Minuten Delfine kraulen zu können, war uns dann doch des Guten zu viel.

Da unsere Reise nun aber einmal, wegen der hier einige Male erwähnten Schulferien, etwas ins stocken geriet, legten wir schweren Herzens, dennoch einen Zwischenhalt in Rockingham ein und da wir schon mal hier waren, konnten wir Penguin Island oder besser besagter Werbetrommel letztlich auch  nicht widerstehen. Denn neben dem besagten albernen Rumplanschen mit Delfinen, erhielt man hier – gegen einen nicht unerheblichen Obulus – die Gelegenheit, ansässigen Seelöwen in einem Glasboden-Boot über den Kopf zu fahren oder per Fähre auf Penguin Island überzusetzen, um dort, mit etwas kleinerem Aufpreis, wild lebende Pinguine zu füttern.
Obwohl meine innere Stimme mich davon abhalten wollte, lösten wir zwei Tickets with Penguin fe ding und setzten, mit rund Hundert weiteren Rucksack-Touristen, auf jene Insel über, auf welcher die letzten noch frei lebenden Pinguine Australiens existieren sollten. Kaum beim anderen Ufer angelangt wurden wir, nicht wie erwartet in ein weiteres Boot, sondern in eine kleine Hütte, weitergeleitet. In dieser Hütte wiederum erwartete uns das ultimative Touri-Grauen. Inmitten einer amphitheater-mässig angelegten Arena erwartete uns ein winzigkleines Bassin und eine Handvoll adipöse Pinguine – von unzähligen Schaulustigen begafft – welche auf ihre nächste Fütterung wartete. Diese wurde durch eine Angestellte durchgeführt, welche erklärte, dass die Pingus über die Ostertage täglich sechs Mal mit Fisch vollgestopft wurden.
Wir hatten bald genug und so machten wir uns schnell wieder vom Acker. Highlight des Ausflugs waren wild durcheinander kreischende Möven, welche wohl als einzige das Prädikat wild auf dieser Insel verdienten.

Motorhomies Lemmingensis

Wir hatten ja nun während der Ostertage und den noch immer andauernden Schulferien ausreichend Gelegenheit, das seltsame Sozialverhalten der Gattung Camper zu studieren. Streng genommen werde ich im folgenden meine Beobachtungen über die Spezie Urban-Camper beschreiben.
Gemeinhin wird zwischen dem urbanen Gelegenheits- und dem authentischen Routine-Camper unterschieden, im folgenden UGC respektive ARC genannt. Während den ersten Tagen unserer Australien-Reise begegneten wir beinahe ausschliesslich dem ARC, dieser wirkt entspannt, grüsst freundlich, ist oft etwas redselig, stets hilfsbereit und selten um einen markigen Spruch verlegen, seine Ausrüstung ist zweckmässig und der ARC in deren Verwendung gewandt und routiniert lässig. Der ARC fährt raus in die Natur, um sich dort auch vorwiegend aufzuhalten und knüpft gerne und schnell Kontakte.
Der UGC wartet sehnlichst auf jährlich wiederkehrende Ereignisse wie Schulferien und/oder Osterfeiertage, an welchen er sich unter seinesgleichen Erholung vom stressgeplagten Stadtleben erhofft und sich zu abertausenden auf den raren Campingplätzen zusammenrottet, nur um nicht minder gestresst seine verstaubte Campingausrüstung zur Schau zu stellen, während seine Proletenkarre stundenlang im Leerlauf vor sich her brummt. Kaum ist das Surviver-Zelt mühselig auseinandergefriemelt, wird die Parabolantenne ausgefahren und für den perfekten TV-Empfang ausgerichtet, damit sich der UGC schnellstmöglich in sein Hipster-Zelt zurückziehen kann, wo er nicht Gefahr läuft, einem Platznachbarn zu begegnen oder diesen gar grüssen zu müssen.

Neigen sich die eben erwähnten Sonn-, Fest- oder Feiertage dem Ende entgegen, bricht der UGC wie auf Kommando seine Zelte ab, selbstverständlich brummt auch hier der 30-Liter-Dieselmotor unerlässlich vor sich hin, setzt sich hinters steuer und düst los, nur um sich wenige Minuten später in einem Stau, mit seinen stressgeplagten Artgenossen, wieder zu finden.

Auch wir fuhren kurzfristig in besagten Stau, drehten aber alsbald ab, um die etwas längere, jedoch verkehrsfreie Route zu wählen.
Ach und da gibt es übrigens noch eine dritte Spezie unter den Campern, gemeinhin Residents genannt, welche mit beiden oben beschriebenen absolut gar nichts zu tun haben will und dies mit unentwegtem mürrischen Gesichtsausdruck kund tut, sobald er seinen Kopf aus dem fest installierten Motorhome heraus streckt.

Nannup Bush Walk

Wer einmal in Nannup hängen bleiben sollte, nimmt am besten gleich einen der ausgeschilderten Bush-Walks in Angriff. Wer Nannup in diesem Leben nicht mehr besuchen wird, lässt sich von folgenden Bildern entschleunigen …